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Prostitution: Neue Werbeverbote 2017

Das zum 1. Juli 2017 in Kraft tretende Prostitutionsgesetz wird deutliche Auswirkungen auf die Branche haben. Nicht nur auf die Vielfalt der Angebote und die erforderten Kontrollen und Beratungen für die Dienstleisterinnen, sondern auch für die Werbe-Branche im horizontalen Gewerbe. Denn mit der Neufassung des Gesetzes müssen nun die Betreiber bei der Werbung einige neue Punkte beachten.

Die Werbung gehört zum Geschäft

Bislang war die Werbung für die Erotik-Branche eine einfache und enorm wirksame Methode um neue Kunden anzulocken. Schließlich konnte die Branche mit wirksamen Bild-Mechanismen für eine große Aufmerksamkeit beim männlichen Publikum sorgen und die gewünschte Werbebotschaft somit effektiv und langfristig verankern. Erotische, aber dennoch dem Jugendschutz entsprechende Bilder in Kombination mit einer klaren und einladenden Werbebotschaft hatten bisher ihren Zweck hervorragend erfüllt. Doch einige der Werbebotschaften dürfen ab Juli 2017 nicht mehr auf Plakaten oder Flyern zu finden sein. Andernfalls drohen empfindliche Geldstrafen, welche schnell zu existenziellen Problemen führen können. Dabei unterscheidet die Branche zwischen klaren Werbeverboten und verschleierten Werbeverboten.

Die deutlichen Werbeverbote für bestimmte Dienstleistungen

Nach dem neuen Prostitutionsgesetz ist Sex ohne Kondom in Zukunft absolut verboten. Das bedeutet natürlich auch, dass mit solchen Dienstleistungen nicht mehr geworben werden darf. Dabei spielt die Art des Verkehrs keinerlei Rolle. Egal ob für orale, vaginale oder anale Genüsse: Beim Sex ohne Kondom macht sich der Freier strafbar und eine solche Handlung ist mit Strafen von bis zu 50.000 Euro bewährt. Auch die gängigen und in der Szene üblichen Kürzel wie AO, FO oder FT sind in diesem Verbot mit eingeschlossen. Diese Angebote dürfen bei keinerlei Werbung mehr auftauchen und aus dem sichtbaren Angebot in allen Portalen verschwinden. Darüber hinaus gibt es ein gesetzlich verankertes Verbot, Sex mit schwangeren Frauen anzubieten. Dies betrifft auch alle umschreibenden Euphemismen, welche sich die Werbebranche einfallen lassen könnte. Diese beiden Bereiche sind unbedingt einzuhalten und vom Gesetzgeber in dieser Form bereits fest im neuen Gesetz verankert. Dementsprechend werden sich die Angebots-Paletten und auch Werbestrategien in Zukunft deutlich verändern müssen.

Die weniger deutlichen Werbeverbote

Das neue Prostitutionsgesetz bietet allerdings noch weitere Einschränkungen. Denn laut der neuen Gesetzesvorlage muss eine Sexworkerin jederzeit die Kontrolle über ihren Körper haben und kann die gegebene Einwilligung zu einer sexuellen Leistung jederzeit widerrufen oder den Preis für diese Dienstleistung ändern. Auch mitten während dieser geschlechtlichen Handlung. Dies dient zwar dem Schutz der Rechte der Sexworkerinnen und ist soweit ja auch unterstützungsfähig, doch wird mit diesem Gesetz ein weiterer Angebotskreis in der Erotik-Branche deutlich getroffen. Denn sogenannte Gangbang-Partys oder Flat-Rate-Sex-Angebote dürfen in Zukunft weder beworben, noch durchgeführt werden. Denn durch die neue rechtliche Selbstbestimmung der Sexworkerinnen kann der Betreiber eines Clubs oder Bordells keinen gültigen Vertrag über eine solche Party mit seinen Kunden abschließen. Dementsprechend simpel das Ergebnis: Da solche Angebote rechtlich in Zukunft nicht mehr möglich sein werden, ist auch eine Werbung mit diesen Leistungsversprechen in Zukunft ebenfalls unmöglich. Viele Clubs und Bordelle müssen dementsprechend ihr Geschäftsmodell überdenken und neue Anreize für die Kunden schaffen.

Clubbetreiber schauen in die Röhre

Anders sieht es allerdings aus, wenn eine einzelne Sexworkerin in ihrer eigenen Wohnung zu einem Gangbang oder einer Flat-Rate-Sex-Party einlädt. Sofern keine anderen Dienstleisterinnen vor Ort sind, kann der Gesetzgeber hierbei keinerlei Schwierigkeit feststellen, sodass ein solches Angebot durchaus von den Prostituierten auch beworben werden darf. Hier scheint es allerdings zu echten Problemen zu kommen. Denn so gut das neue Prostitutionsgesetz gemeint sein mag und so sehr es auch die Rechte der Sexworkerinnen verbessern mag: Durch die vielen Kontrollen und Beratungen und die starken Einschränkungen für die Club- und Bordellbetreiber, steht zu befürchten, dass sich ein ganzer Teil der Prostitution wieder in den Schatten und die Illegalität zurückziehen wird. Dies ist kein guter Schritt, da bei der illegalen Wohnungsprostitution weder die Sicherheit der Sexworkerinnen, noch deren Gesundheit überwacht werden kann.

Das neue Gesetz kann enorm schädlich für die Branche werden

Vor allem der Marketing-Bereich der Erotik-Branche wird vom neuen Gesetz hart getroffen. Zum einen können lange Zeit erfolgreiche Werbemethoden nicht mehr oder nur noch eingeschränkt verwendet werden. Dementsprechend muss neue Zeit und neues Geld in die Findung neuer Absatzmöglichkeiten investiert werden. Darüber hinaus wird auch die Anzahl der Anfragen aus der Erotik-Branche aller Wahrscheinlichkeit nach abnehmen. Denn zum einen werden viele Clubbetreiber die neue Werbung für nutzlos halten, da nicht mehr mit den interessanten Dienstleistungen geworben werden darf. Auf der anderen Seite wird auch die Zahl der offiziellen Sexworkerinnen wohl rückläufig werden, da sich im Bereich der illegalen Wohnungsprostitution wahrscheinlich deutlich höhere Gewinne einfahren lassen. Somit kann es durchaus passieren, dass ein gut gemeintes und in vielen Teilen auch effektives Gesetzt den Bereich der Zuhälterei und den Bereich der illegalen Prostitution sogar vorantreibt und somit seinen Nutzen in großen Teilen verliert. Wie sich die Zukunft entwickeln wird, ist allerdings erst ab Juli 2017 zu beobachten und anschließend zu bewerten. Spannend und interessant für die Erotik-Branche wird dieser Umbruch in jedem Fall.